Display von Profikamera bei Food-Aufnahme - Symbolbild RAW-FormatiStock 933844508

Was ist ein RAW-Format?

Lesedauer: 9 Minuten

Inhaltsverzeichnis

Definition und Begriffsklärung

Als RAW-Formate werden primär Dateiformate für Fotos* bezeichnet, bei denen die Daten des Kamerasensors ohne weitere Bearbeitung und Kompression gespeichert werden.

Mit raw (engl. für roh) ist raw data gemeint. Demgemäß spricht man im Deutschen auch vom Rohdatenformat.

* Es gibt auch RAW-Formate für Scanner sowie für Kameras, die für die Kinofilmproduktion eingesetzt werden.

Vom Negativ zur RAW-Datei

Was zu Zeiten der Analogfotografie das Negativ war, ist heute die RAW-Datei, die daher auch als digitales Negativ verstanden werden kann. RAW-Dateien sind mithin unfertige Dateien, die noch bearbeitet und in ein Endformat wie z.B. JPEG oder TIFF überführt werden müssen. Diesen Vorgang – früher sprach man von der Fotoentwickelung – nennt man fachsprachlich RAW-Konvertierung.

Obwohl 2004 mit dem DNG-Format von Adobe (DNG steht für Digital Negative) ein offener Standard für Rohdaten entwickelt wurde, konnte sich dieser nicht industrieweit durchsetzen. Die Kamerahersteller entwarfen weiterhin ihre je eigenen RAW-Formate und setzen bis heute auf diese. Das hat dazu geführt, dass es mittlerweile einen ganzen Zoo mit über 200 verschiedenen Rohdatenformaten zu bestaunen gibt. Und da der technische Aufbau dieser Formate meistens nicht offengelegt wird, lassen sich viele nur mit Software der jeweiligen Hersteller verarbeiten.

Welche Daten werden in einem RAW-Format gespeichert?

Das sind zum einen natürlich die eigentlichen Rohdaten, die der Sensor der Kamera liefert, also jene Farb- und Helligkeitsinformationen, die sich unter den spezifischen Kameraparametern (Fokus, Blende, Belichtungszeit, Lichtempfindlichkeit) für jedes einzelne Pixel ergeben haben. Zum anderen sind es zahlreiche Metadaten (Aufnahmezeitpunkt, GPS-Daten, Kameramodell etc.), die meistens gemäß der Exif-Spezifikationen gespeichert werden. Zudem wird häufig ein Vorschaubild im JPEG-Format generiert und ebenfalls in die RAW-Datei eingebettet.

Welche Vorteile haben RAW-Formate?

Der größte Vorteil besteht sicherlich darin, dass die Parameter, die bei einer kameraseitigen Entwicklung nach JPEG oder TIFF automatisch gesetzt werden, bei einer RAW-Datei nachträglich festgelegt werden können. Das betrifft Vorverarbeitungsschritte wie:

    • Weißabgleich
    • Farbsättigung
    • Farbraumanpassung
    • Kontrastverstärkung
    • Schärfung
    • Rauschunterdrückung
    • Tonwertkorrektur

Die genannten Verarbeitungsschritte sind Teil der RAW-Konvertierung und entsprechen in etwa den Arbeiten, die man früher in der Dunkelkammer durchgeführt hat. Statt mit Chemikalien hantiert man nun freilich mit Schiebereglern am Monitor. Die bekannteste Software zur Umsetzung dieser Prozesse ist sicherlich Lightroom von Adobe. Ebenfalls populär sind z.B. Capture One oder die Freeware darktable. Man bezeichnet Programme mit dieser Funktion auch als RAW-Konverter.
Eine nachträgliche Korrektur ist natürlich auch an bereits entwickelten Bilddateien möglich, aber erstens sind die Möglichkeiten hier beschränkter und zweitens sind durch die Vorverarbeitungsschritte immer schon Informationen unwiederbringlich verloren gegangen; bei JPEG-Dateien kommt die verlustbehaftete Kompression noch erschwerend hinzu.

RAW-Formate speichern die Sensordaten stets unkomprimiert und können mit extrem hoher Farbtiefe und Helligkeitsauflösung umgehen, wobei das TIF-Format in dem Punkt gleichwertig ist. Bei beiden Formaten liegt die maximale Farbtiefe bei 48-Bit. Das entspricht rund 281 Billionen verschiedenen Farbwerten. Ehrlicherweise wird das Maximum selten benötigt, denn nur wenige High-End-Kameras sind mit Sensoren ausgestattet, die dieser Farbtiefe gerecht werden. Da bedarf es schon einer Hasselblad im Wert eines Kleinwagens.

Welches sind die bekanntesten RAW-Formate?

Es ist nicht überraschend, dass die proprietären RAW-Formate der wichtigsten Kamerahersteller auch den höchsten Verbreitungsgrad haben. Ausgeklammert sei hier das bereits genannte DNG-Format von Adobe, das eine Sonderrolle einnimmt, da es als offener Standard konzipiert wurde. Die hauseigenen Rohdatenformate von zwölf großen Herstellern sind hier in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt:

    • 3FR / FFF – Hasselblad
    • ARW / SRF / SR2 – Sony
    • CRW, CR2, CR3– Canon
    • DCR – Kodak
    • MRW – Minolta
    • NEF / NRW – Nikon
    • ORF – Olympus
    • PEF / PTX – Pentax
    • RAW / RW2 – Panasonic
    • RAW / RWL – Leica
    • SRW – Samsung
    • X3F – Sigma

Mit welchen Kameras kann man im RAW-Format fotografieren?

In der Frühzeit der Digitalfotografie gab es nur wenige Kameras, die ein Fotografieren im RAW-Format zuließen. Dies waren ausschließlich hochpreisige Modelle für Berufsfotografen. Zu nennen wären hier z.B. die Nikon D1 (1999) und die Canon EOS-1D (2001).

Heute unterstützen alle professionellen und semi-professionellen Kameras das Fotografieren im RAW-Modus. Selbst mit den meisten Einsteigerkameras ist dies mittlerweile möglich. Eine umfassende Liste von Kameramodellen mit Rohdatenmodus wird in der englischen Wikipedia gepflegt: List of cameras supporting a raw format.

Welche Handys können im RAW-Format fotografieren?

Seit einigen Jahren gibt es auch Smartphones, die ein Fotografieren im RAW-Modus zulassen. Allerdings muss man oft etwas suchen, um diese Option innerhalb der Kameraeinstellungen zu finden.

Apple hat für neuere iPhone-Modelle ein Format entwickelt, dass ProRAW heißt und laut eigener Aussage die Informationen eines Standard-RAW-Formats mit der iPhone-Bildverarbeitung kombiniert.
Das ProRaw-Format wird unterstützt von folgenden Modellen:

    • iPhone 12 Pro
    • iPhone 12 Pro Max
    • iPhone 13 Pro
    • iPhone 13 Pro Max
    • iPhone 14 Pro
    • iPhone 14 Pro Max

Um den Modus verwenden zu können, muss in den Einstellungen zu Kamera > Formate navigiert und Apple ProRAW aktiviert werden. Beim Fotografieren erscheint dann in der Kamera-App oben rechts ein durchgestrichenes „RAW“-Icon, das noch einmal angetippt werden muss, um den Modus zu starten.

Übrigens: Auch mit älteren iPhones (ab iPhone 6S) kann im RAW-Format fotografiert werden, allerdings nur über Foto-Apps von Drittanbietern und nicht im ProRAW-Format. Außerdem muss auf dem Gerät mindestens iOS 10 installiert sein.

Android unterstützt Aufnahmen im RAW-Format prinzipiell ab Version 5.0 (Lollipop). Wie bei Apples iOS heißt das aber nicht, dass die vorinstallierte Foto-App einen RAW-Modus hat. Auch hier muss bei älteren Modellen häufig auf Drittanbieter-Apps zurückgegriffen werden. Bei neueren Geräten ist die Möglichkeit, im RAW-Format zu fotografieren, in der Regel fest vorgesehen. Google setzt z.B. ab dem Modell Pixel 3 auf RAW-Fotos (nachträglich wurde auch das Pixel 2 dazu befähigt).

Um bei einem Google Pixel Gerät den RAW-Modus zu aktivieren, muss wie folgt vorgegangen werden (ausgeführt auf einen Pixel 4a mit Android 13):

In der Kamera-App unter Einstellungen > Weitere Einstellungen > Erweitert den Regler unter „RAW + JPEG“-Steuerung nach rechts schieben.
Beim Fotografieren mit der App kann nun oben unter Einstellungen (Zahnrad-Icon) zwischen „Nur JPEG“ und „RAW + JPEG“ gewählt werden. Im RAW-Modus wird also immer auch eine JPEG-Datei gespeichert. Während JPEG-Dateien standardmäßig im Galerie-Ordner landen, wird für die RAW-Dateien ein separater Ordner erzeugt. Dort werden Sie dann im DNG-Format (RAW-Standard von Adobe) gespeichert.

Natürlich bieten auch andere Smartphone-Hersteller als Google und Apple einen RAW-Modus an. Wir können hier aber nicht auf alle Geräte eingehen und empfehlen Ihnen ggf. eine herstellerspezifische Suche.

Wie kann ich RAW-Dateien öffnen?

Diese Frage haben wir schon häufiger gehört, denn tatsächlich passiert es hin und wieder, dass Fotografen ihre Werke in einem RAW-Format abliefern. Meistens geschieht dies aus Nachlässigkeit, seltener aus Protest, z.B. wenn ein zusätzliches Salär für die Weiterverarbeitung erzwungen werden soll, und manchmal dienen RAW-Dateien als Nachweis für die Urheberschaft und werden deshalb versendet.

Wie auch immer Sie nun an RAW-Dateien gelangt sind, Sie möchten sie nun öffnen, allein schon, um zu erfahren, welche Inhalte sich dahinter verbergen, aber wissen nicht, welches Programm sie dafür benötigen. Was ist nun zu tun?

Fangen wir mal mit dem schlimmsten Fall an. Der wäre gegeben, wenn Sie sich ein kaum verbreitetes RAW-Format eines kleineren Kameraherstellers ins Haus geholt hätten. Dann müssten Sie sich vermutlich die Software des Herstellers besorgen, um die Datei öffnen und bearbeiten zu können.

Haben Sie hingegen eine Datei, die aufgrund der Endung einer der bekannten Kamerahersteller zugeordnet werden kann, dann reicht es vermutlich aus, wenn Sie sich einen sogenannten RAW-Konverter besorgen. Eine der bekanntesten offenen Lösungen ist darktable. Mit darktable lassen sich alle wichtigen RAW-Formate öffnen und verarbeiten, und zwar kostenlos. Welche Formate das genau sind, erfahren Sie hier.

Den einfachsten Fall stellt das Vorliegen einer DNG-Datei dar. Dieses RAW-Format von Adobe lässt sich z.B. auch mit dem vorinstallierten Bildbetrachter von Windows 10 (Fotos) oder mit Photoshop Express öffnen.

Natürlich gibt es auch Online-Lösungen für das Konvertieren von RAW-Dateien. Allerdings sollte man hier Vorsicht walten lassen, schließlich fallen mit dem Upload nicht nur Bilddaten, sondern auch zahlreiche Metadaten in die Hände der Betreiber.

RAW-Formate konvertieren mit der Bildverwaltung von teamnext

Falls Sie häufiger mit der Aufgabe konfrontiert sein sollten, RAW-Formate zu öffnen und in Formate wie JPEG, PNG, WebP oder TIFF zu konvertieren, und Sie dabei gleichzeitig Wert auf flexible Zugriffsmöglichkeiten legen, dann kommen Sie um eine professionelle Lösung nicht herum.

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Außerdem wird bei uns ein besonders hoher Wert auf die datenschutzkonforme Speicherung aller Mediendateien gelegt. Wir verwenden keine Fremdtools und verarbeiten Ihre Daten ausschließlich auf Servern europäischer Rechenzentren: hochgesichert und DSGVO-konform.

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